FIRST STOP: PHUKET

eat better im Flieger

Neu bei Eurowings! Die eat-to-fly-better-Box. Heute: Buchweizen mit Wildschwein und Khakis 😉

Wat’n Flug. 11 Stunden plus die drei Stunden am Kölner Flughafen hätten mir persönlich schon absolut gereicht – wir haben aber noch einen mehrstündigen Zwischenstopp im schönen Bukarest eingeschoben. Medizinischen Notfall ausladen, rumänischen Papierkram regeln, auftanken, zwischenzeitlich vereiste Maschine enteisen, starten. In dieser Reihenfolge. Und auch wenn ich ein absoluter Verfechter fokussierter, serieller Arbeiten bin, hätte ich ein bisschen Multitasking im Mittelteil dieses Falls sehr begrüßt.

Der erste Eindruck von Phuket ist ‚ein bisschen wie Türkei, nur halt größer und mit Asiaten eben‘. Und wärmer. Am Flughafen ist alles am Start. Der Taxiklüngel läuft und ganz viele Menschen sind ganz bemüht darum, mich ganz billig ganz weit weg zu bringen. Ich entscheide mich, da vorher brav Reiseblogs gelesen und über jeden Abzockversuch bestens informiert, für die offizielle Variante mit Festpreis. Zahle bei einer mafiös aussehenden Endzwanzigerin in einem beigen, sie straff umspannenden Hemd, dass sie unwiderlegbar als Taxi-Offizielle ausweist und folge einem Kind, dass mich nach einigem Auf- und Abgelaufe und Diskutieren mit einem quäkigen Handfunkgerät einer Fahrerin zuweist.

Obwohl Prepaid machen wir nach unserer Fahrt durch triste Monokulturen einen Abstecher zu einem mukkeligen lokalen Ausflugsanbieter, da meine Taxifahrerin mein Hotel nicht kennt und fragen möchte. Das Hotel Quip liegt an Phukets größter Straße, der Phuket Road und auf der Bestätigung von Booking.com ist zusätzlich ein Stadtplan mit thailändischer Straßenbeschriftung aufgedruckt. Sei’s drum, nach dem ersten Erklärungsversuch bin ich zu müde für Protest.

Einmal da nutzt meine Fahrerin die Gelegenheit, eben mal schnell aufs Klo zu gehen und die Inhaberin der Agentur die sich daraus für sie ergebende, mit mir meine Reiseplanung für die kommenden Tage durchzugehen. Vermutlich sieht die Chauffeurin sich in der Nasszelle mit einem ‚big deal’ konfrontiert oder ist (genau wie ich zu diesem Zeitpunkt) nicht gut mit den vielfältigen Instrumentarien an thailändischen Toiletten vertraut; die Ausflugsfachfrau und ich haben also Zeit.

Als Ausflugsfachfrau weiss sie, was alleinreisende Männer in Thailand suchen. Sie kommt direkt zum Punkt und so werden mir von einer nett in die Jahre gekommenen, sympathisch lächelnden Thailänderin ‚Ausflüge‘ zu den lebenden Sehenswürdigkeiten im direkten Umfeld vorgestellt. Ich bekunde höflich Desinteresse und ernte schmückend, eindeutig beschreibende Gesten und erfahre ungefragt den Preis für verschiedene Dienstleistungen der Ausflugsziele. Als ich ich beiläufig erwähne, dass ich nur heute in der Stadt bin und vorhabe den Abend essend und schlafend zu verbringen erlischt das Verkaufsgespräch erfreulich schnell. Ich bekomme zum Dank für mein Interesse eine Viertelliterflasche Wasser mit dem Etikett der Ausflugsagentur, welches mir stolz mitteilt, dass der Inhalt durch einen osmotischen Umkehrprozess gewonnen wurde. Schmeckt wie Wasser aus Plastikflaschen.

Im Hotel angekommen besteht der Mann am Counter, einem durchgesägten goldenen Auto, darauf, dass die Check-In Zeit um 14 Uhr beginnt. Es ist kurz nach 12. Ohne Appetit auf Diskussionen erkundige ich mich nach dem nächsten ATM und einem SevenEleven, um mir eine thailändische Simkarte zu kaufen. Den Weg zum Geldautomaten finde ich sofort, den SevenEleven erreiche ich nie und entdecke ihn auch bei meinen späteren Erkundungen nicht. Dafür finde ich meine Simkarte nach einiger Lauferei in einem Handyreparaturshop, den ich mehr oder weniger zufällig entdecke, als ich die Orientierung lange verloren habe und kurz davor bin eins der mir fortwährend angebotenen Motorradtaxis zu besteigen und zurück ins Hotel zu fahren.

Die nette Dame bietet mir stramme 14 GB für 30 Tage (soviel brauche selbst ich zuhause nicht) für 1.000 Baht an. Mein Kopf ist zu müde zum rechnen und ich beschließe spontan, dass Baht ja quasi nix wert sind und willige nickend ein. Nach einem kurzen Freischaltungsprozess unter Zuhilfenahme verschiedener antik anmutender Mobiltelefone ist mein Telefon online und kann mich problemlos zurück zum zwei Straßenecken entfernten Hotel manövrieren.

Ich sitze die verbleibenden 20 Minuten bei einem Kaffee in der Lobby aus und betrete mein Zimmer um 14 Uhr eins. Die Dusche um 14.02. Es ist ein Traum. 45 Minuten auf dem riesigen Futon im Dämmerschlaf geben mir genug Energie um mich aufzuraffen und Phukets Altstadt zu besichtigen.

Und da ist Phuket plötzlich ganz anders. Auch wenn sich hier sehr deutlich sichtbare Mengen Nichtthailänder durchschieben, ist das Angebot unübersehbar für die Menschen gemacht, die hier Leben. Der Mix ‚alles mit allem‘ ist wundervoll und erreicht mich sogar in meiner Jetlag-Trance.

Gemüse- und Blumenhändler wohnen neben oder zwischen Werkstätten, in denen ölige Männer vor demontierten Motorblöcken oder Waschmaschinen sitzen und rauchen. Dazwischen Bars, Restaurants und Cafés. Ausserhalb der Altstadt ist die Struktur der Geschäfte anders: Hier finden sich mehrere Läden mit einem absolut identischen Sortiment direkt nebeneinander. Der Grad der Speizialisierung ist hoch: Offenbar besteht in Phuket ein immenser Bedarf an Vogelhäusern, Plastikbechern und getrockneten Garnelen. Alle Schilder sind ausschließlich auf Thai beschriftet, so dass ich vielen Angeboten weder einen Namen, geschweige denn eine Funktion oder einen Preis zuweisen kann.

Und plötzlich stehe ich auf einem von Phukets Tagesmärkten, dem nicht überdachten Teil des zentralen Chinatown Market. Es erschlägt mich. Ich fühle mich mit einem Mal fremd und äusserst ausländisch. So sehr, dass ich mich nicht mal traue ein Foto zu machen, dafür komme ich am nächsten Morgen wieder.

Auf dem Heimweg esse ich meinen ersten Mango Sticky Reis und verstehe in diesem Augenblick, warum dieses Gericht niemand nicht mögen kann. Einfach geil.

Eine Dusche und vier dämmerige Stunden weiter bin ich mental ‚out for dinner‘. Physisch ist das allerdings schwierig bis unmöglich; der Monsumregen zwingt sogar die Rollerfahrer in lustige bunte Ganzkörperplastiktüten oder kurzfristig an den Straßenrand. Das Essen im Quip ist belanglos lecker und verpasst mir um 19.30 eine solide Bettschwere, der ich umgehend und widerstandslos Folge leiste. Davor mühe ich mich noch einige Zeit mit der Klimaanlage herum, die sich bei der Funktion ‚Aus‘ einfach nicht kooperativ verhält. Im Tausch gegen trockene Eisluft aus unbekannten Lüftungskanälen öffne ich ein Fenster, stecke mir Pfröpfel in die Ohren und schlafe sofort ein. In Hürth wäre es jetzt ungefähr zwei Uhr am Nachmittag – PowerNap-Time. Läuft.

Dass der überall erteilte Rat, Anti-Moskitospray zu benutzen, berechtigt ist fällt mir gegen Mitternacht ein. Zusammen mit dem Wiedererlangen, dass ich es auch mitführe kostet mich die Erkenntnis die Zeit bis 2 Uhr, in der ich große geschwollene Stiche bearbeite.

Vor meinem Fester erwacht die Stadt gegen 6 mit dem Geräusch von einigen tausend Rollern. Mit dem Gefühl, nicht einordnen zu können wie ich mich fühle mache ich die Augen auf. Ich erinnere mich an die Wandbemalung über meinem Bett und stehe auf. Da das im Preis inbegriffene Frühstück aus Toast, durchsichtiger Marmelade, so etwas ähnlichem wie Tee besteht und der Kaffeemann noch nicht da ist, packe ich die Kamera ein und ziehe los.

Ich weiss nicht warum, aber es ist mir immer unangenehm, Menschen zu fotografieren, die einfach nur ihr Leben leben. Ich finde es irgendwie indiskret und ungehörig. Gleichzeitig bewundere ich diese Fotos und die Menschen, die sie machen. Generationen meiner Kameras haben vergebens darauf gewartet, diese Bilder machen zu dürfen. Für Thailand habe ich mir vorgenommen, aus meinen Komfortzonen herauszukommen und Dinge zu tun, die ich lieber lassen würde. Nach einigem Suchen finde ich ein geöffnetes Café, puste mit zwei Cappuchino die letzte Müdigkeit weg und betrete Phukets Markt ein zweites Mal.

Hier erklärt sich sofort, warum es auf Phukets Nebenstraßen vor neun sehr ruhig zugeht – anscheinend sind ausnahmslos alle Phuketianer rund um die Markthalle zwischen der Ratsada- und Phangngaroad versammelt und gehen einem entspannt geschäftigen Treiben nach.

Die Gerüche des Marktes dominieren das Leben in dieser frühe Stunde. Bekannte Minze mischt sich mit dem Geruch von unbekannten Kräutern, Obstsorten, Gewürzen, frischem Fisch, Fleisch, heimischen und fremdländischen Fäulnisaromen. Meterweise wechseln die Gerüche und diktieren mir den Wechsel zwischen Verweil und schnellen Schritten. Noch überforderter als die Nase sind meine Augen: die Vielfalt des Bekannten und Unbekannten ist atemberaubend. Heute morgen bin ich noch nicht in Laune, die nach thailändischen Marktfrauen aussehenden thailändischen Marktfrauen zu ihrem Angebot zu befragen und lasse alles einfach auf mich wirken.

Genau jetzt fühlt es sich an wie Urlaub.

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